Von Erkelenz nach Tscheboksary

 

Hallo, ich heiße Jan Mathis und war vom August 2013 bis Juni 2014  in Russland. In dieser Zeit lebte ich als Austauschschüler bei einer russischen Gastfamilie in Tscheboksary, einer Großstadt an der Wolga.

Was ich erlebt habe, erfahrt Ihr /erfahren Sie hier:

Kategorien: Alle Mathis

08. Mai 2014, 19:11

Ein Tag in Moskau und eine Zugfahrt mit unbequemen Sitznachbarn

Nachdem ich meine Sachen zu Ende gepackt hatte, machte ich mich mit meiner Gastfamilie auf den Weg zum Busbahnhof, der direkt neben dem herkömmlichen Bahnhof liegt. Dort mussten wir etwa eine Stunde auf den Bus warten, der uns nach Moskau bringen sollte. Ich war ziemlich überrascht, dass fast alle Busse aus Deutschland stammten, da fast alle Kennzeichnungen auf Deutsch waren. Außerdem stand etwas außerhalb noch ein Bus mit der Aufschrift „Andrea Berg – Tausend und Eine Nacht“. Nach der Stunde Wartezeit, in der ich mich leicht erkältete, kam endlich der Bus leicht verspätet an. Ich stieg mit meiner Gastmutter ein und der Bus fuhr sofort los. Die Nacht war ziemlich unangenehm, da wir die ganze Zeit auf ziemlich schlechten Straßen fuhren. Besonders in der Oblast von Nischni Nowgorod wackelte es gewaltig. Während der gesamten Nacht konnte ich vielleicht nur etwa zwei Stunden schlafen. Um 5:​30 Uhr morgens kamen wir schließlich in Moskau am Kasaner Bahnhof an. Wir gaben unser Gepäck im Bahnhof an einem dafür vorgesehenen Schalter ab. Danach fuhren wir mit der Metro zum Roten Platz. Es war echt wunderschön, da der Platz morgens noch total menschenleer ist. Danach gingen wir einmal um den Kreml herum und sahen, wie alle Wege von speziellen Fahrzeugen zu dieser frühen Stunde mit Wasser abgespritzt wurden. Im Gegensatz zu anderen russischen Städten ist Moskau im Zentrum echt ziemlich sauber. Als wir um sieben Uhr wieder auf dem Roten Platz ankamen, sahen wir, wie junge Soldaten für den Tag des Sieges und die dazugehörige Parade probten. Anschließend stiegen wir wieder in die Metro ein und fuhren ungefähr eine halbe Stunde aus dem Zentrum. Dort, am Ufer des Flusses Moskwa, hatte man einen wunderbaren Ausblick auf die morgendliche Stadt. Wir gingen etwas durch den angrenzenden Park spazieren und sahen mehrere Eichhörnchen, die überhaupt nicht scheu waren. Etwas später fuhren wir weiter zur MGU, der Eliteuniversität Russlands. In Deutschland ist sie eher unter dem Namen Lomonossow-Universität bekannt. Sie wurde im Jahre 1755 vom russischen Universalgelehrten Michail Lomonossow gegründet . Heutzutage befindet sich das Hauptgebäude der Universität in einem Komplex, der zur Zeit Stalins gebaut wurde. Anschließend fuhren wir wieder ins Stadtzentrum, da ich zumindest einmal im Leben den Kreml von innen besichtigen wollte. Die Tickets waren, wie befürchtet, nicht sonderlich teuer sondern kosteten nur 100 Rubel (2 Euro). Nach einer gründlichen Sicherheitskontrolle mit Metalldetektoren konnten wir schließlich durch das Haupttor in den Kreml. Dort sahen wir unter anderem mehrere alte orthodoxe Kirchen und natürlich die Zarenkanone und die Zarenglocke. Nach wir einmal um den Regierungssitz von Putin – einen kunstvoll verzierten weißen Palast – gegangen waren, setzten wir uns in einen Landschaftsgarten auf dem Gelände des Kremls und genossen einfach das herrliche Frühlingswetter. Im Gegensatz zu Cheboksary hatten sich in Moskau schon alle Knospen an den Bäumen geöffnet und einige Blumen angefangen zu blühen. Am Nachmittag gingen wir noch zur größten orthodoxen Kirche Russlands, der Christ-Erlöser-Kathedrale. Sie bestand aus zwei Kirchen gleichzeitig: die Hauptkirche befand sich oberirdisch, während eine zweite, kleinere Kirche sich unter dem Hauptschiff verbarg. Auch hier gab es am Eingang Sicherheitskontrollen von Polizisten. Später gingen wir noch in ein Kunstmuseum, das sich neben der Kathedrale befand. Dort wurde Kunst sowjetischer und postsowjetischer Maler ausgestellt, was ziemlich interessant war, da man die ganze Geschichte der UdSSR auf einen Blick sah. Um kurz vor fünf fuhren wir wieder zurück zum Bahnhof, wo schon Simon, ein AFS-Freiwilliger aus Deutschland, auf mich wartete. Er war gemeinsam mit uns anderen Austauschschülern im August 2013 nach Russland gekommen und arbeitete in verschiedenen AFS-Komitees in Russland, hauptsächlich aber in Moskau. Nachdem ich mich von meiner Gastmutter verabschiedet hatte, setzte ich mich mit Simon und unserem Gepäck vor den Bahnhof und wir unterhielten uns mal wieder so richtig schön auf Deutsch. Währenddessen warteten wir auf die anderen Austauschschüler, die auch mit uns nach Astrachan fuhren. Nach zwei Stunden kamen schließlich zwei Italiener, darunter der Gewinner des diesjährigen Wettbewerbs, Kevin, an einer S-Bahn-Haltestelle an. Danach warteten wir noch auf Louisa aus Österreich, und zwei weitere Italiener. Mit der Metro fuhren wir schließlich spätabends weiter zu einem anderen Bahnhof, wo unser Zug auf uns wartete. Um Mitternacht waren wir schließlich alle im Zug, bezogen unsere Betten und legten uns schlafen. Simon und ich hatten leider mit unseren Plätzen nicht sehr viel Glück. Zum einen schliefen wir oben und zum anderen schlief unter uns ein Ehepaar, das sich sofort nach dem Einsteigen darüber beschwerte, dass wir unsere Koffer nicht sofort weggeräumt hatten. Am nächsten Tag schlief ich ziemlich lange, da ich erstens ziemlich müde war und zweitens nicht unsere liebenswürdigen Nachbarn unter uns stören wollte, die gerade frühstückten. Der Mann trank schon am Vormittag Bier, was auch von der Polizei bemerkt wurde, die zweimal durch unseren Wagon lief. Sie erteilten ihm eine Verwarnung, da das Mitführen alkoholischer Getränke im Zug verboten ist. Den Rest des Tages las ich noch mein mitgebrachtes Buch durch („Drei Kameraden“ von Erich Maria Remarque auf Russisch). Als ich am nächsten Morgen auf mein Handy guckte um zu prüfen, wie spät es denn sei, sah ich, dass ich eine SMS bekommen hatte. Eigentlich ist das ja nichts Besonderes, aber in dieser SMS wurde ich auf die Tarifoptionen in Kasachstan hingewiesen. Anscheinend waren wir also nachts für kurze Zeit durch Kasachstan gefahren. Um ca. neun Uhr morgens kamen wir schließlich in Astrachan am Bahnhof an, wo ich sofort von meiner neuen Gastschwester empfangen wurde.

Jan Mathis Eckert




24. April 2014, 15:05

Ostern in Russland

Am vergangenen Sonntag hatten wir auch in Russland Ostern. An dieser Stelle wünsche ich allen in Deutschland nachträglich frohe Ostern! Morgens konnte ich noch etwas länger ausschlafen. Zum Frühstück gab es leckeren Apfelkuchen von meiner Gastmutter mit selbstbemalten und beklebten Eiern (was in Russland so üblich ist). Es hat alles sehr lecker geschmeckt. Am frühen Nachmittag fuhr mein Gastvater mit mir und meinem Gastbruder gemeinsam an die Wolga ans östliche Ende der Stadt. Dort wollten wir abends Schaschlik grillen. Mein Gastvater baute den Grill auf, während mein Gastbruder mit mir zur Wolga hinunterging. Da das Ufer ziemlich steil war, stellte es sich als nicht so leicht heraus. Schließlich waren wir leicht beschmutzt unten am Ufer angekommen. Es fühlte sich fast an wie am Meer, da es über 20°C warm war und auch einige Möwen über dem Wasser kreisten. Nach ein paar Minuten machten wir uns auf den Rückweg. Da immer noch etwas Schnee auf dem schlammigen Boden lag, war es ziemlich schwierig einen Weg zu finden ohne im Dreck zu landen. Erst nach zwanzig Minuten fanden wir einen Weg nach oben. Ziemlich erschöpft kamen wir schließlich bei meinem Gastvater an. Der hatte das Feuer schon entfacht und grillte schon Schaschlik. Nach etwa einer Stunde kam meine Gastmutter an, die noch einige Nachhilfestunden gegeben hatte. In der Wartezeit legte ich mich noch etwas aufs Gras und entspannte mich. Das Schaschlik hat überraschenderweise ziemlich gut geschmeckt. Leider ist der Wald hier auch nicht so sauber wie in Deutschland. Überall lagen von sommerlichen Saufgelagen weggeschmissene Flaschen rum. Es fühlte sich irgendwie keiner für die Sauberkeit des Waldes verantwortlich. Besonders am Waldrand war es ziemlich schlimm. An der Wolga selbst hatte ich zum Glück keinen Müll gesehen.
Abends schaute ich noch mit meinem Gastvater einen Film.
Am Mittwoch hielt ich in der Schule eine Präsentation über Deutschland. Da sich mein Bruder ziemlich gut mit Videoprogrammen auskennt, hat er für mich die einzelnen Fotos zu einem 12-minütigen Video zusammengefügt. Zu den einzelnen Bildern schrieb ich dann mit meiner Gastmutter den passenden Text.
Die Schüler in der Aula waren, außer einigen Ausnahmen, nicht sonderlich interessiert. Zumindest machte ich meinen Betreuern eine Freude, welche auch interessiert zuhörten.
Heute Abend geht es für mich los ans Kaspische Meer und nach Wolgograd. Ich habe ja bei einem Wettbewerb von AFS teilgenommen und der Gewinn ist eben diese Fahrt in den Süden Russlands. Heute Abend fahre ich erst mit meiner Mutter nach Moskau, die mir dann tagsüber die wichtigsten Sehenswürdigkeiten zeigt. Abends geht es dann mit dem Nachtzug weiter nach Astrachan ans Kaspische Meer.

Jan Mathis Eckert




17. April 2014, 16:55

Erster richtiger Frühlingstag

Am letzten Sonntag konnte ich trotz der anstrengenden Woche nicht ausschlafen. Meine Gastmutter bat mich, eine ihrer Schülerinnen bei einem Wettbewerb in der Universität zu unterstützen. Nachdem ich um sieben Uhr aufgestanden war, gab es zum Frühstück leckere Blinis (russische Pfannkuchen). Trotzdem war ich noch nicht ganz wach, als wir aus dem Haus gingen und uns in eine Marschrutka setzten. Wir fuhren etwa eine halbe Stunde bis an den äußersten Rand der Stadt im Westen. Die Universität befand sich auf einer Anhöhe, von der man einige verschlafene Dörfer außerhalb Cheboksarys sehen konnte. Das Wetter war einfach nur fantastisch: Die Sonne schien, der Himmel war wolkenlos und die Vögel zwitscherten. Kurz: Es war der erste richtige Tag im Frühling und damit eigentlich zu schade, um nur in der Universität zu sitzen. Nach dem wir etwas frische Luft nach der stickigen Marschrutka geschnappt hatten, gingen wir in die Eingangshalle der Universität. Wir meldeten uns an und warteten im Auditorium auf die Eröffnung. Nach einer kurzen Rede des Veranstalters über die 6-jährige Geschichte dieses Wettbewerbes wurden die Schülerinnen (es waren kaum Jungs da) auf mehrere Zimmer aufgeteilt. Obwohl es erst früh morgens war, wurde es ziemlich schnell zu warm in dem Klassenraum, in dem die Schülerin meiner Gastmutter ihren Vortrag halten sollte.
Kurz nach dem Vortrag ging ich mit meiner Gastmutter aus dem Zimmer und danach in den Wald. Am Waldrand lag ziemlich viel Müll herum, aber nach einigen hundert Metern wurde es schon deutlich sauberer. Für mich war es das erste Mal im Wald in diesem Jahr und es fühlte sich einfach nur herrlich an. Es ist doch schon ein Nachteil in einer Großstadt zu wohnen, da man dann wesentlich weiter fahren muss, um in die Natur zu kommen. Umso mehr genoss ich jetzt das Zwitschern der Vögel. Knospen, geschweige denn Blätter, waren an den Bäumen noch nicht zu sehen, aber, so sagte mir meine Gastmutter, würde es von jetzt an nur noch einige Wochen dauern bis es richtig warm werde.
Nach etwa einer halben Stunde mussten wir dann leider wieder zurück, da meine Gastmutter eine Unterrichtsstunde zuhause hatte. Ich blieb noch in der Universität, um die Schülerin meiner Gastmutter zu unterstützen. Etwa eine Stunde, nachdem ich zurückgekommen war, fing die Ergebnisverkündung an. Ich fand es richtig unfair, dass ausgerechnet die Schüler die Preise bekamen, die aus meiner Sicht viel schlechter aufgetreten waren und den gesamten Text einfach nur abgelesen hatten.
Danach redete noch ein russisch-orthodoxer Pfarrer über die Geschichte der orthodoxen Kirche und einige ihrer Heiligen. Ich wunderte mich ziemlich, dass er mit einem ziemlich deutlichen Akzent sprach und dachte schon, dass er Franzose sei. Später erfuhr ich dann aber, dass er aus Griechenland kam (was ja auch logisch ist, da dort die wichtigste Kirche auch die orthodoxe ist). Nach der Rede fuhr ich nach Hause.

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Jan Mathis Eckert




09. April 2014, 20:38

Fernsehen in der Schule

Am vorletzten Montag fing für mich nach den kurzen Ferien die Schule wieder an. Ich war etwas müde am ersten Schultag, was aber keine Besonderheit war, als ich meine Klassenkameraden sah, die noch müder dreinblickten. Ich überstand den Schultag einigermaßen gut, musste aber nachher noch zum Ensemble „Kammerton“, wo wir uns auf ein Konzert am Mittwoch vorbereiteten. Am Mittwoch dann war ich ziemlich überrascht, als auf einmal zwei Kamerateams und Reporter von mehreren Zeitungen in der Aula standen, in der wir spielten. Sie nahmen auf, wie wir spielten, und wollten danach noch Interviews mit mir. Ich war ziemlich überrascht, aber nach gutem Zureden der Schuldirektorin stimmte ich zu. Zuerst wollte das Fernsehen eine „typische“ Russischstunde mit Elena und mir bei Valentina aufnehmen. Das Problem an der ganzen Sache war nur, dass ich schon seit Monaten nicht mehr mit Elena zusammen lerne und so eine „gemeinsame“ Unterrichtsstunde nicht so einfach ist, da ich einfach viel mehr Russisch übe als sie. So nahmen wir Sachen durch, die wir, meines Erachtens nach, nach nur zwei Monaten in Russland durchgenommen hatten. Ich schämte mich natürlich in Grund und Boden, da es ziemlicher Kinderkram war. Zumindest stellten sie danach mir noch ein paar Fragen, auf die ich noch antwortete. Das ganze wiederholte sich dann noch einmal für den anderen Sender. Ein Sender war übrigens ein Tschuwaschischer „Tschuwasch En“ (wenn mich nicht alles täuscht, bedeutet das soviel wie „Tschuwaschische Nachrichten“) und der andere ein russischer „JuTV“. Nach dem Interview wurde auch noch aufgenommen, wie ich durch die Gänge der Schule „spaziere“. Wofür das da ist, habe ich auch nicht ganz verstanden.
Nachdem die beiden Kamerateams gegangen waren, kam noch eine Reporterin der Zeitung „Cheboksarsker Nachrichten“ vorbei und stellte mir auch noch einige Fragen. Sie war ziemlich überrascht, dass ich schon so gut russisch sprechen konnte und stellte deshalb noch mehr Fragen. Nach dem Interview wollte sie auch noch meine Kontaktdaten für Vkontakte haben, um mich bei eventuellen Nachfragen noch einmal anzuschreiben.

Jan Mathis Eckert




28. März 2014, 19:14

Ausflug nach Joschkar-Ola

Heute habe ich mit meiner Gastmutter und etwa einem Dutzend anderer Schüler und Lehrerinnen einen Tagesausflug nach Joschkar-Ola gemacht. Joschkar-Ola ist die Hauptstadt der Republik Marij-El, die von Tschuwaschien aus im Norden liegt. Die Republik Marij-El ist etwas größer als Tschuwaschien, hat aber weniger Einwohner (ca. 700.​000).
So stand ich also morgens um 6:​30 Uhr auf, packte meinen Rucksack und ging mit meiner Gastmutter zum Platz der Republik, der ungefähr eine Viertelstunde von unserem Haus im Stadtzentrum liegt. Dort wartete schon meine Geschichtslehrerin mit einigen ihrer Schüler auf uns.
Um acht Uhr fuhren wir schließlich los und kamen um kurz nach neun Uhr in Joschkar-Ola an. Ich war ziemlich überrascht, wie viele Neubauten es hier gab, da man sowas in Russland echt selten sieht. So gab es zum Beispiel einen originalgetreuen Kreml aus glattem, rotem Backstein und außerdem mehrere Kirchen. Durch die Stadt floss ein aufgestauter Fluss, an dessen Ufern auch wieder Häuser in einem fast mittelalterlichen Stil (allerdings nicht älter als fünf Jahre) standen. Ich war echt verwundert, woher die Stadt das ganze Geld für die Bauten genommen hatte. Während der Führung bekam ich dann mit, dass der Präsident der Republik Marij-El der Besitzer von zwei großen Ziegeleien ist und so die Häuser kostengünstig bauen konnte. Aber auch an anderen Stellen war ich verwundert woher das ganze Geld für zwei große Glockenspiele mit beweglichen Figuren kam, die sich zu jeder vollen Stunde bewegen.
Mittags gingen wir in ein Kaffee und aßen dort zu Mittag. Danach gingen wir wieder zur Siegessäule mit dem Ewigen Feuer. Die dazugehörige Siegesmeile zog sich einmal durch die gesamte Stadt und man konnte von einem Ende der sogar den Nachbau des Kremltors aus Moskau sehen. Obwohl wir schon Ende März haben, war es ziemlich kalt (-2 Grad) und es wehte ein kräftiger Wind. So war ich froh, als wir wieder in der Marschrutka saßen und zurück nach Cheboksary fuhren. Trotzdem hat der Ausflug mir ziemlich gefallen, da die Stadt mich, trotz der ganzen Nachbauten (die aus der Ferne aber sehr echt aussahen), sehr an mitteleuropäische Städte erinnerte.
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Jan Mathis Eckert




24. März 2014, 15:59

Ausflug ins Kloster

Seit vergangenem Freitag habe ich hier in Russland Schulferien, was echt toll ist. Anstatt jeden Tag (außer sonntags) um sechs Uhr aufzustehen, kann ich jetzt um acht oder neun Uhr aufstehen. So habe ich am Freitag ziemlich lange geschlafen, da in der Schule die Kantine umgebaut wurde und so (keine Ahnung warum) schon keine Schule mehr war. Ich habe mich am Wochenende richtig festgelesen. Ich lese zurzeit die Chroniken von Narnia auf russisch und kam nur selten raus. Mittlerweile ist hier in Russland auch der Frühling einkehrt und langsam steigen die Temperaturen. So hatten wir am Sonntag sogar zehn Grad draußen. Trotzdem ist der ganze Schnee noch nicht geschmolzen. Heute fuhren wir ausnahmsweise einmal aus Cheboksary aufs Land. Eine Schülerin meiner Gastmutter wollte ein Video für einen Wettbewerb über Klöster in Russland drehen und ich sollte dieses Video mit meiner Kamera filmen. So verließ ich mit meiner Gastmutter um kurz nach zehn Uhr das Haus und wir fuhren zuerst mit dem Trolleybus zu einer Kirche in Cheboksary. Dort drehten wir den ersten Teil des Videos. Danach fuhren wir zurück ins Stadtzentrum, warteten dort an einer Bushaltestelle mehr als eine halbe Stunde und fuhren danach mit einer Marschrutka weiter nach Tsivilsk, einem Städtchen ungefähr eine Stunde außerhalb von Cheboksary. Dort besuchten wir ein Frauenkloster und nahmen den zweiten Teil des Videos auf.
Das Wetter war übrigens herrlich. Die Sonne schien, die Vögel zwitscherten. Es war das erste Mal, dass ich in Russland überhaupt die Vögel zwitschern hörte. Und der ganze Dreck, der sich in Russland wegen des schon etwas länger andauernden Tauwetters auf den Straßen angesammelt hatte, war fast verschwunden. Das Kloster an sich war auch sehr schön. So gab es zwei Kirchen, eine aus Holz mit feinen Schnitzereien und eine aus Stein mit fünf goldenen Zwiebeltürmchen. In der Kirche zündeten wir einige Kerzen an (was man in Deutschland freiwillig machen kann, ist in Russland Pflicht) und gaben mitgebrachte Spenden (Mehl und eine Flasche Speiseöl) für Bedürftige ab.
Im Kloster genoss ich die Ruhe, die dort herrschte. Ich lebe ja in der Großstadt und, obwohl ich im zehnten Stockwerk wohne, ist es außer nachts nie ganz leise.
Nach einem kleinem Rundgang, bei dem ich wieder die Schnitzereien an anderen Häusern dort bestaunte, gingen wir zum Ausgang, bekreuzigten uns vor dem Ausgang drei Mal (am Eingang und Ausgang eines Klosters und/​oder einer Kirche muss man das machen) und fuhren mit der Marschrutka wieder nach Cheboksary zurück.

Jan Mathis Eckert




16. März 2014, 19:38

Weltfrauentag

Am Freitag, 7. März, wurde in der Schule der Weltfrauentag gefeiert. Da der 8. März in Russland ein Feiertag ist und demnach arbeitsfrei, wurde der Termin für die Schule einfach vorgezogen. Im Vorhinein hatte ich schon einige Päckchen Pralinen für die Lehrerinnen gekauft, bei denen ich bislang Unterricht hatte. Außerdem hatte ich noch ein Dutzend Milka-Schokolade aus Deutschland, die ich auch fleißig verteilte. Angekommen in der Schule klapperte ich so zuerst alle Klassenräume ab, bedankte mich für den interessanten Unterricht bei der jeweiligen Lehrerin und verteilte die Süßigkeiten. Alle Lehrerinnen haben sich sehr über die Schokolade oder Pralinen gefreut.
Nach der ersten Stunde ging ich schließlich in die Aula und spielte mich dort ein. Ich sollte nämlich zum Feiertag mit dem Kammerton-Ensemble ein Konzert für alle anwesenden Frauen geben. Wir spielten unter anderem Ausschnitte aus Beethovens fünfter Symphonie und sogar das Thema von Star Wars.
Nach dem Konzert hatte ich noch die Idee, das Lied „Moskauer Nächte“ (Podmoskovnije Wetschera) auf der Geige zu spielen. Ich kannte es zum Glück auswendig. So ging ich also auf die Bühne, wünschte allen Frauen alles Gute zum Weltfrauentag und fing an zu spielen. Ich hab mich echt gewundert, dass alle anfingen mitzusingen. Von meinem Vorspiel waren alle Lehrerinnen ziemlich gerührt und im Gang wurde ich sofort darauf angesprochen, wie schön ich denn gespielt hätte.
Am Abend fuhr ich noch mit meinem Gastvater durch halb Cheboksary, um Zutaten für den russischen Zupfkuchen zu besorgen, den ich am Samstag backen wollte. Leider fand ich, egal, in welchem Geschäft ich suchte, kein Vanillepuddingpulver. Das Problem versuchte ich dann am nächsten Tag mit Speisestärke und viel Vanillezucker zu lösen.
Am Samstag stand ich relativ früh auf und gratulierte sofort meiner Gastmutter zum Weltfrauentag. Ich überreichte ihr auch eine Porzellanfigur, die ich am Vortag mit meinem Gastvater gekauft hatte (meine Gastmutter sammelt diese Figuren). Sie freute sich natürlich sehr über das Geschenk, obwohl sie meinte, dass ich ihr nichts hätte schenken müssen. Nach dem Mittagessen um 12 Uhr fing ich mit den Vorbereitungen für meinen russischen Zupfkuchen an. Ich hatte diese Leckerei ja schon für meine ehemalige Gastfamilie gebacken, wobei ich allerdings keine Waage hatte. Jetzt gab es aber eine, an die ich mich aber erst einmal gewöhnen musste: Die Waage bestand aus einem Stab, an dessen Enden ein kleines Schälchen und ein Gewicht befestigt waren. An dem Stab war ein Schieberegler befestigt, mit dem man einstellen konnte, wie viel Gramm (bis maximal 125) man abwiegen wollte. Je nachdem, wie viel man in die Schüssel füllte, neigte sich die Waage, stehend auf dem Schieberegler, zur einen oder anderen Seite. Es war zwar alles etwas umständlich, funktionierte aber trotzdem.
Schließlich war mein Werk fertig und ich schob es in den Ofen. Am Abend kam noch die Schuldirektorin mitsamt Familie bei uns vorbei und zusammen feierten wir den Weltfrauentag bei einem Festessen. Nach dem Essen wurde auch noch mein Kuchen angeschnitten und alle sagten, dass er sehr lecker schmecke. Ich muss aber gestehen, dass er im Gegensatz zu Deutschland, wo ich denselben Kuchen schon mehrmals gebacken hatte, nicht sonderlich gut geschmeckt hat.

Jan Mathis Eckert




13. März 2014, 19:56

Tagesausflug nach Kasan

Am Tag danach, Sonntag, den 2. März, musste ich ziemlich früh aufstehen. Die Englischlehrerin aus meiner Schule hatte mich ja zu einer Fahrt nach Kasan eingeladen und so stand ich schon um fünf Uhr an diesem Tag auf. Meine Gastmutter hatte am Samstag für mich extra noch Essen eingekauft, dass ich die lange Fahrt im Bus „überlebe“. Um kurz vor sechs ging ich schließlich aus dem Haus und fuhr mit der Marschrutka zur Schule. Da ich ziemlich früh ankam, war noch kein anderer da. Auch um sieben Uhr fehlte der Großteil der Mitfahrer (auch die Englischlehrerin) noch, obwohl man mir gesagt hatte, dass wir punkt sieben abfahren. So nimmt man es hier mit der Pünktlichkeit. Letztendlich fuhren wir mit fast einer Stunde Verspätung um kurz vor acht ab. Unser Busfahrer fuhr noch über Novocheboksarsk, um noch andere Mitreisende abzuholen. Schließlich waren wir vollständig und es konnte losgehen. Da ich vorher noch nie so richtig außerhalb der Stadt im Bus gefahren bin, hatte ich keine Vorstellung, wie die russischen Straßen denn so aussähen. Ich hatte eigentlich eine Straße, die so breit wie eine Autobahn ist, erwartet. Allerdings hatte ich mich da ziemlich verschätzt: die Straße hatte etwa zweieinhalb Spuren (wobei man das nicht so genau sagen kann, da Straßen in Russland kaum Markierungen, geschweige denn Mittelstreifen besitzen) und ziemlich viele Schlaglöcher. Um halb zwölf kamen wir schließlich in Kasan an. Zuerst besichtigten wir ein Museum über einen relativ unbekannten Schriftsteller. Die Führung durch zwei Museumsräume dauerte sagenhafte anderthalb Stunden.
Danach (alle waren ziemlich erschöpft von der Führung) gingen wir in ein Kaffee und aßen erst einmal zu Mittag. Mit dem Bus fuhren wir dann später zum Kreml von Kasan (fast jede alte russische Stadt hat einen) und hatten dort auch eine Führung. Dabei besichtigten wir neben der russisch-orthodoxen Kirche, die nach dem Sieg Ivan, des Schrecklichen, über die Tataren gebaut wurde auch eine Moschee. Es war das erste Mal, dass ich in einer Moschee war und ich war echt positiv überrascht, wie schön alles dort eingerichtet war.
Abends fuhren wir noch zu einem Konzert einer Sängerin und führten mit ihr nachher noch ein Interview über Schlaflieder (die Englischlehrerin hat vor mit uns am republikweiten Wettbewerb teilzunehmen). Wir fuhren ziemlich spät los und kamen dementsprechend spät an. Ich etwa gegen elf Uhr zuhause. Zum Glück musste ich am nächsten Tag nicht zur ersten Unterrichtsstunde…

Jan Mathis Eckert




12. März 2014, 19:51

...und ein dritter Preis bei Vortrag über Schlaflieder.

Am Samstag, 1. März, habe ich mit einem Mädchen aus der 9. Klasse an der praktisch-wissenschaftlichen Konferenz teilgenommen. Im Februar hatten wir diesen Wettbewerb in der Schule gewonnen und nun sollten wir den gleichen Vortrag noch einmal halten, nur auf Stadtebene. Gemeinsam mit der Englischlehrerin trafen wir uns um 8 Uhr in der Schule, gingen das ganze Programm noch einmal durch und besprachen kleine Änderungen. Nach einer Stunde gingen wir schließlich los. Der Wettbewerb fand dieses Mal in der 30. Schule statt (ich lerne in der 41.​), die zehn Minuten zu Fuß von unserer Schule entfernt liegt. Nach der Anmeldung warteten wir noch einige Zeit in dem Klassenzimmer, in dem dann später der Vortrag stattfinden sollte. Dort traf ich auch die Chinesin Tsing-Tsing, die auch mit AFS hier in Cheboksary wohnt. Wir unterhielten uns etwas und so erfuhr ich, dass sie auch einen Vortrag halten würde. Allerdings nicht – wie wir - über Schlaflieder, sondern über die Unterschiede zwischen China und Russland. Den Vortrag hatte sie zusammen mit ihrer Schwester vorbereitet.
Dann fing der Wettbewerb an. Einige Themen waren nicht gerade sehr interessant. So verglich zum Beispiel eine Schülerin den Big Ben mit den Kremltürmen (im Nachhinein bekam sie dafür immerhin den ersten Platz, was ich nicht nachvollziehen kann) und gleich mehrere hielten Vorträge über Feiertage in Russland, England und Frankreich (ich habe mittlerweile schon fünf Vorträge über dieses Thema gehört).
Wir waren an neunter Stelle und als Einstimmung auf unser Thema spielte ich auf meiner Geige „Guten Abend, gute Nacht“. Nach unserem Vortrag sang ich das gleiche Stück auch noch mal auf Deutsch.
Der Vortrag der Chinesin wäre sicherlich auch ziemlich interessant gewesen und ich hätte gerne auch neue Dinge über China erfahren, allerdings sprach sie so komisch russisch, dass ich kaum ein Wort verstand. Auch die anderen Russen im Raum schauten sie nur mit aufgerissenen Mündern an.
Nachdem wir uns alle Vorträge angehört hatten, gingen wir aus der Klasse raus und warteten dort, solange die Jury über die Platzvergabe entschied. Für unseren Vortrag bekamen ich und das Mädchen aus der neunten Klasse immerhin den dritten Platz, was echt nicht schlecht ist. Leider mussten wir dann noch bis zur Preisvergabe in der Aula noch zwei Stunden bis drei Uhr warten. Währenddessen schaute ich mir eine Theateraufführung eines russischen Märchens an.
Nach der Preisvergabe, die fast eine Stunde dauerte (da so viele Schüler über unterschiedliche Themen Vorträge gehalten hatten), konnte ich endlich nach Hause gehen.

Jan Mathis Eckert




12. März 2014, 16:20

Erster Preis beim Englischwettbewerb...


Am Freitag, 28. Februar, hatten wir unseren Englischwettbewerb zum Thema „The Great Gatsby“. Wir hatten ja schon für diesen Wettbewerb ein Video gedreht und die Jury hatte aus allen Einsendungen aus ganz Tschuwaschien uns zum Finale ausgewählt. So weit ich weiß, hieß der Wettbewerb „Oxford Bookworms“ und war ein Englischwettbewerb der Oxford-Universität. Wie der Name schon sagt, mussten alle Teilnehmer ein Buch durchlesen, das aus einer vorgelegten Liste auswählen konnte. Ich konnte zum Glück länger ausschlafen, da die Schule, in der der Wettbewerb stattfand, sich bei mir im Stadtviertel befand. Auch als ich aus dem Haus ging, hatte ich Glück. Ich traf alle anderen Teilnehmer aus meiner Schule in der Marschrutka. In der Schule angekommen, zogen wir uns um und bereiteten uns auf unseren Auftritt vor. Ziemlich lange saßen wir in der Aula der Schule, ohne dass irgendetwas passierte. Da die Teilnehmer ja aus ganz Tschuwaschien kamen, mussten wir noch etwas auf die Teams warten, die etwas weiter weg wohnten.
Nach fast einer Stunde im etwas stickigen Saal ging die Aufführung los. Wir sahen uns zuerst die Videos der anderen Teilnehmer an, wobei man sagen muss, dass unser Video mit Abstand das beste war (unsere Englischlehrerin hatte ja auch eine beträchtliche Summe Geld dem Profi bezahlt, der das Video aufnahm und bearbeitete). Dann ging das eigentliche Programm los:
Da mehrere Altersstufen aufeinander trafen, waren die Fünft- und Sechstklässler zuerst an der Reihe. Sie mussten den Inhalt kurz wiedergeben und einige leichte Fragen beantworten. Nach der 7. Und 8. Klasse waren schließlich wir dran. Ich war etwas aufgeregt, was sich aber schnell legte, als ich hörte, wie unsere Gegner auf Englisch sprachen. Zudem hatten wir in unserem Team auch noch Sonja, die ein Jahr in Amerika war, perfekt Englisch spricht und sich auch zusätzlich mehrere Tage auf unseren Auftritt vorbereitet hatte (sie hatte sich das ganze Buch noch einmal durchgelesen und die wichtigsten Daten und Argumente auswendig gelernt). Ich kam natürlich auch noch an die Reihe, aber im Großen und Ganzen musste ich nicht sonderlich viel sagen, da Sonja vor mir schon fast alles Wichtige gesagt hatte.
Nach unserem Auftritt mussten wir noch etwas warten und bekamen schließlich nach einer halben Stunde Wartezeit den ersten Preis für das beste Englisch verliehen. Alle anderen Teilnehmer bekamen Kuchen als „Trostpreis“, während wir vier Bücher (natürlich auf Englisch) geschenkt bekamen.
Am Nachmittag bereitete ich mich noch in der Schule auf die praktisch-wissenschaftliche Konferenz am Samstag vor.

Jan Mathis Eckert



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